gab.com – Ein paar weiterführende Gedanken

Dass das Netzwerk “gab.com” Teil des Fediverse werden möchte, ist schon länger bekannt. Gestern jedoch gab es Neuigkeiten zu der Thematik: Ein Datum für den Go-Live. Den 4. Juli – Unabhängigkeitstag – natürlich.

Doch ganz von vorne

Gab.com ist ein “soziales” Netzwerk, ausgerichtet auf all jene, die in anderen sozialen Netzwerken keinen Platz finden. Also vor allem Personen von Rechts-Außen, Neo-Nazis, Rassisten und dergleichen. mehr dazu

Und dieses Netzwerk (ich lasse das Attribut “sozial” bewusst weg) will nun also Teil des Fediverse werden.

Was heißt das für mich?

Ich bin einer von zwei Admins von machteburch.social, einer Mastodon-Instanz mit (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels) 42 Nutzern.

Im wesentlichen gab es für uns zwei Optionen:

  1. Wir machen uns nichts weiter daraus, lassen gab gab sein und kümmern uns weiter um andere Sachen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von uns jemandem von Denen folgt (bzw. anders herum) ist ohnehin ziemlich gering.

  2. Wir blockieren das Netzwerk. Schließlich verstoßen die eindeutig gegen unsere Regeln, sowie gegen unser Verständnis einer funktionierenden Gesellschaft.

Nach kurzen Absprachen im Admin- und Moderatoren-Team konnten wir festhalten: Einstimmige Entscheidung für Variante 2

Geplant war es, das Netzwerk beim Go-Live zu blockieren. Aber da die Domains, unter denen das Netzwerk starten wird, sowie das Datum schon bekannt waren, dachte ich mir: Besser zu früh, als zu spät.

Und so geschah es:

Und die Anderen?

Wir waren gestern bei weitem nicht die Einzigen, die sich zu dem Thema geäußert haben. Viele hatten ähnliche Meinungen, wie wir. Einige gingen noch einen Schritt weiter und kündigten an, auch Instanzen zu blockieren, die mit gab föderieren werden, wieder andere sagten, sie werden die Föderation nicht einschränken, um die Meinungsfreiheit zu bewahren. Leute wechselten Instanzen, wieder andere kündigten ihren Rückzug aus dem Fediverse an.

Aber die Meinungsfreiheit...!

Sich unter dem Vorwand der Meinungsfreiheit aus der Verantwortung zu ziehen, finde ich an dieser Stelle falsch. Ich bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit. Aber mit gab ist nach meiner Meinung die Grenze der Meinungsfreiheit deutlich überschritten. Das sind nicht die “besorgten Bürger” von nebenan, die von der Gesellschaft abgehängt wurden und aus Existenzangst die erste Partei wählen, die ihnen Honig ums Maul schmiert. Nein, das sind handfeste Nazis, Leute, die der Meinung sind, dass die “weiße Rasse” allen anderen überlegen ist. Und so weiter. Das fällt meiner Meinung nach nicht mehr unter Meinungsfreiheit. Das sind Leute, die – wenn man ihnen die Freiheit gäbe – anderen Menschen und Menschengruppen ihre Freiheit nehmen würden. Also darf man ihnen diese Freiheit nicht geben.

Föderieren heißt Fördern

Es geht hier um die Entscheidung, einer solchen Ideologie eine Bühne zu geben, oder eben nicht. Denn genau darum geht es bei der Föderation.

Möchte ich eine Interaktion meiner Nutzer_innen mit gab zulassen? Möchte ich, dass Menschen meine Instanz verwenden, die ein Interesse an der Interaktion mit gab haben? Möchte ich zur Verbreitung solcher Ideologien beitragen?

Das sind Fragen, die sich ein Admin aktuell meiner Meinung nach stellen muss. Unsere Moderatoren, Admins und ich haben diese Fragen offensichtlich mit “Nein!” beantwortet.

Aber da sind bestimmt auch normale Nutzer!

Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht:

Wie viele Nutzer_innen, die eben nicht der nationalistisch, rassistisch, antisemitisch, extremistischen, rechts-außen Ideologie entsprechen, werden wir mit dieser Sperrung gleichzeitig mit erfassen?

Ich bin dabei recht schnell zu dem Schluss gekommen: Wahrscheinlich wenige bis keine. Solange sich eine Person in Gesellschaft eben jener Leute, die solch einer Ideologie entsprechen, wohlfühlt, ist die Wahrscheinlichkeit meiner Meinung nach sehr groß, das der_die Nutzer_in der gleichen Ideologie entspricht. Wäre die Person einer anderen Meinung, hätte sie sich nicht aktiv für dieses Netzwerk, welches für seine Nutzerbasis bekannt ist, entschieden. Also ist dieses Argument für mich auch entkräftet.