Keinen Müll produzieren. Geht das?

Am 5. Mai 2021 war der deutscher Erdüberlastungstag. Würde die gesamte Weltbevölkerung so leben wie die deutsche Bevölkerung, wären an diesem Tag alle Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Das ist in meinen Augen ziemlich bemerkenswert und beunruhigend, immerhin ist am 5. Mai gerade mal ein Drittel des Jahres vergangen. Anders ausgedrückt bräuchte eine Weltbevölkerung, die so lebt, wie die deutsche Bevölkerung knapp drei Erden, um die natürlichen Ressourcen für den Lebensstil der Bevölkerung zur Verfügung zu haben. Diese Zahlen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Die Daten für die Berechnung der nationalen Erdüberlastungstage stammen vom Global Footprint Network (footprintnetwork.org) und wurden unter anderem in dieser Grafik anschaulich aufbereitet:

Übersicht der nationalen Erdüberlastungstage

Was tun?

Unsere WG hat sich dazu entschlossen, diesen Tag nicht unbeachtet verstreichen zu lassen. Irgendwas wollten wir tun – aber was? Wir achten insgesamt schon ziemlich stark auf die Auswirkungen, die unser Handeln auf die Umwelt hat – konkrete Umsetzung von Person zu Person unterschiedlich. Insofern war es gar nicht so leicht, noch einen Punkt zu finden, an dem wir Optimierungspotential erkennen konnten. Worauf wir konkret schon vor dem 5. Mail geachtet haben:

Nachdem wir in all diesen Punkten keinen wirklich großen Spielraum mehr für Optimierungen finden konnten, fiel uns als letzte Stellschraube unsere Müllproduktion ein. Auch diese dürfte deutlich unter der eines durchschnittlichen Haushalts unserer Größe liegen, aber dennoch sahen wir hier die meisten Potentiale für Verbesserungen.

Und konkret?

Konkret haben wir für uns die folgende Herausforderung abgeleitet: Wir haben versucht – beginnend am 5. Mai und laufend bis zum 12. Mai – keinen Müll zu produzieren, der kein Biomüll ist. Kein Verpackungsmüll, kein Restmüll, kein Altglas, kein Altpapier und auch sonst kein Müll, außer man kann ihn in den Biomüll – oder in unserem Fall in den Bokashi (Bo-was? Infos hier → utopia.de) – werfen.

Dass diese Herausforderung Grenzen hat und haben muss, war uns von vornherein klar. Also haben wir uns klare Grenzen gesetzt: Alle Belange, die die akute körperliche Gesundheit (Masken, Schnelltests, Medikamente) oder Aspekte, die die Hygiene außer Haus betreffen (Hände waschen bei z.B. der Arbeit etc.), so wie eventuelle Reparaturen an Fahrrädern oder sonstigen wichtigen Dingen waren nicht Teil der Abmachung. Klar war für uns auch, dass unser “normales” Leben weiter gehen musste. Also eine Woche nur zu Hause hocken und uns von Rohkost ernähren war von Anfang an keine wirkliche Option und wäre auch nicht Sinn der Übung gewesen. So hätten wir mit Sicherheit keine Ergebnisse erzielt, die langfristig Bestand hätten haben können.

Damit waren die selbstgesetzten Regeln abgesteckt. Noch schnell einen Mastodon-Post verfasst, um zumindest den gefühlten externen Druck ein bisschen zu erhöhen und schon konnte die Woche beginnen.

Wie liefs?

Die Woche ist mittlerweile um, einen Tag Reflektionszeit mit inbegriffen. Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wir haben uns als WG zusammengesetzt und die Woche ausführlich ausgewertet. Zudem werden alle bestimmt noch einige individuelle Schlüsse aus der Woche ziehen. Die wichtigsten Dinge, die gut geklappt haben, aber auch Aspekte, die nicht so gut liefen, möchte ich im Folgenden teilen. Wichtig ist dabei natürlich, zu beachten, dass sich unsere Erfahrungen nur auf unseren lokalen Unverpacktladen (frau-ernas.de) und Bio-Laden (naturata-magdeburg.de) anwenden lassen. Mit anderen Grundvoraussetzungen wäre unser Versuch vermutlich vollkommen anders verlaufen.

Was gut lief

Was nicht so gut lief

Was bleibt?

Das letzte, was dieser Woche noch fehlt, ist ein abschließendes Fazit. Wir als WG sind uns bewusst, dass es eine enorm privilegierte Position ist, solch einen Versuch durchführen zu können. Der Verzicht auf Müll ist eine Entscheidung, die sich viele Menschen finanziell nicht leisten können, da in Supermärkten und Co. nach wie vor fast ausschließlich verpackte Lebensmittel und Produkte verkauft werden. Ich hoffe wirklich, dass sich hier bald eine Trendwende hin zu umweltfreundlicherem Konsum vollziehen wird. Einiges davon kann man sicher als Verbraucher*in einfordern, aber an vielen Stellen sind die Konzerne gefragt, endlich pflichtbewusst zu handeln. Insofern muss die Frage vom Anfang “Geht das?” mit einem klaren Jein beantwortet werden. Dennoch: Meiner Meinung nach war die vergangene Woche eine spannende Erfahrung und ich persönlich habe vieles gelernt. Ich hoffe, dass sich alle Dinge, die in unserem Versuch gut liefen als Routine etablieren. Ob und welche Dinge das sein werden, wird sich noch zeigen müssen. Ich zumindest bin motiviert, alle Punkte umzusetzen.

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